Familiärer Brust- und Eierstockkrebs: bin ich gefährdet?

Eine von 400 Personen tragen eine vererbbare Genveränderung ("Genmutation") im BRCA1 oder im BRCA2 Gen. Diese Veränderungen führen zu einem besonders hohen Risiko, im Laufe des Lebens an Brust oder Eierstockkrebs zu erkranken. Und leider erkranken Betroffene häufig im jugendlichen Alter. Meist sind in einem solchen Fall auch andere Familienmitglieder von Krebserkrankungen betroffen. Man spricht dann vom "familiären Brust- und Eierstockkrebssyndrom", welches häufig den Weg zu einer BRCA1 und BRCA2 Genuntersuchung weist. Durch die Genuntersuchung kann das persönliche Brust- und Eierstockkrebsrisiko bestimmt werden, und Betroffene können sich durch spezielle Früherkennungsprogramm oder durch eine Entfernung der gefährdeten Organe wirksam schützen. Der Gentest kann aber auch feststellen ob das hohe Erkrankungsrisiko an die Kinder weitergegeben werden kann.

Als Leiter des Zentrums für familiären Brust- und Eierstockkrebs an der Medizinischen Universität Wien, und durch meine langjährige wissenschaftliche Tätigkeit auf diesem Gebiet besitze ich eine besondere Expertise in der Beratung, Behandlung und Betreuung von Frauen mit einem erblichem Brust- und Eierstockkrebssyndrom. 

 

Soll ich mich testen lassen?

Der BRCA Test besteht aus einer einfachen Blutabnahme und kann daher - wenn medizinisch sinnvoll - sowohl bei gesunden Personen als auch bei bereits erkrankten Frauen problemlos durchgeführt werden. Allerdings müssen dafür bestimmte Voraussetzungen vorhanden sein. Die Entwicklung von neuen, besonders bei Vorliegen einer BRCA Mutation wirksamen Medikamenten, hat inzwischen dazu geführt dass Frauen mit Eierstockkrebs sowie Frauen mit einer bestimmten Form von Brustkrebs ("Triple-negativem Brustkrebs") in jedem Fall ein BRCA Gentest angeboten werden soll, da das Testergebnis weitreichende Konsequenzen für die Behandlung haben kann. Inzwischen kennt man neben BRCA1 und BRCA2 eine Reihe von weiteren Genen die ebenfalls auf genetische Defekte untersucht werden können. Ihre Bedeutung für die Entstehung von Brust- und Eierstockkrebs sind allerdings weniger genau bekannt und Gegenstand intensiver Forschung.

Der BRCA Gentest: was bringt er mir und meiner Familie?

Das Ergebnis des BRCA1 und BRCA2 Gentests eröffnet Ihnen die Möglichkeit, bewusst mit Ihrem persönlichen Krebsrisiko umzugehen: Die meisten Betroffenen entscheiden sich für die Teilnahme an einem speziellen Krebsfrüherkennungsprogramm, welches jährlich durchgeführt wird. Damit gelingt es insbesondere Brustkrebs früh zu entdecken. Noch mehr Sicherheit hat man durch die vorbeugende Entfernung von Drüsengewebe. Dadurch wird bereits die Entstehung von Brustkrebs wirksam verhindert. Immer mehr Frauen lassen sich inzwischen auch nach abgeschlossenem Kinderwunsch die Eierstöcke entfernen um dem Eierstockkrebs vorzubeugen. Familienmitglieder die die Genveränderung nicht in sich tragen können hingegen aufatmen: Sie müssen kein erhöhtes Krebsrisiko fürchten, und können die Genveränderungen auch nicht an ihre Kinder weitergeben.